Tritt hinter mich
Predigt am 30. August 2026
Möchten Sie an der Stelle des Petrus gewesen sein? Ich möchte nicht hören müssen: „Tritt hinter mich, du Satan!“ Eine richtige Schockbehandlung! Letzte Woche hieß es noch: „Du bist Petrus, der Fels…“ Und jetzt:
Du Satan!
Der Fels Petrus hatte ein Glaubensbekenntnis abgelegt: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Das heißt aber noch lange nicht, dass er dem Weg Jesu folgen kann und will. Als er hört, dass Jesu Weg zum
Leiden, zur Hinrichtung, zum Kreuz führt, steigt Petrus innerlich aus. Undenkbar: der Sohn Gottes am Kreuz! Undenkbar: ein Leidensweg! Kein Weg des Triumphes? Da kommt Petrus nicht mit! Jesus sagt ihm: „Tritt hinter mich!“
Er soll sich hinter Jesus stellen – in dem Sinne, wie wir sagen: Du stehst hinter mir! Ich kann mich auf dich verlassen! Du lässt mich nicht im Stich! Also: Nachfolge ist gefragt. Und der Weg ist hart, ist kein Wunschkonzert, ist
nicht das, was wir uns selber aussuchen würden.
Du, Jesus, bist der Sohn Gottes! Das ist ein Glaubenssatz. Solche Sätze sind ganz wichtig. Sie helfen uns zu gehen. Sie sind wie ein Wanderstab, an dem wir uns festhalten können. Aber dann kommen die Lebenserfahrungen. Dann
können schwere und harte Stunden kommen, und unsere Glaubenssätze hängen in der Luft, und sie müssen neu buchstabiert werden. Sie müssen zusammen gebracht werden mit unseren Glaubensüberzeugungen. Ganz bestimmt da, wo es um
Leiden und Kreuz geht. Immer wieder dann unsere Frage: Wo ist Gott? Warum schweigt er? Warum tut sich nichts? Dann gerät unser Glaube in Bedrängnis. Es gibt mehr Fragen als Antworten. Es gibt dann mehr Zweifel als Bekenntnis,
kaum ein Echo des Glaubens in unserem Herzen. Es braucht oft sehr lange, bis eine Zuversicht durchbricht, etwa angesichts des Todes eines ganz nahen Menschen, eine Zuversicht mitten in den Zumutungen. Dass im Tod Himmel und Erde
sich berühren und der Tod verwandelt wird in ewiges Leben. Dass Gott auch „in der finsteren Schlucht“ und in den Abgründen des Lebens nahe sein kann. Und zu uns spricht.
In der Apostelgeschichte werden die Christen bezeichnet als Anhänger des neuen Weges (Apg 9,2). Weg – das ist ein entscheidendes Bild: Wir gehen einen Weg, im Glauben und im Leben. Und wir versuchen, den eigenen Lebensweg in
Verbindung zu bringen mit dem Weg Jesu. Auch Jesus rang darum, das Vertrauen in den himmlischen Vater stark zu halten angesichts aller Bedrängnisse. Sein Schrei am Kreuz: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Dieses
Schreien kennen wir auch. Wenn etwas Bedrohliches und Schlimmes vor uns auftaucht, dann wehren wir es ab: Nein, das soll nicht sein! Das möchten wir nicht. Davor möchten wir verschont werden. Das war die Situation des Petrus im
heutigen Evangelium: Jesus, du gehörst nicht ans Kreuz! Das kann doch nicht dein Ort sein!
Der bekannte tschechische Theologe Tomas Halik hat einmal gesagt: „Die Wahrheit ist ein Buch, das noch keiner von uns zu Ende gelesen hat.“ In Abwandlung dazu könnten wir sagen: Der Glaube ist dein Buch, das du noch nicht zu Ende
gelesen hast. Wir sind immer noch mittendrin. Das Ende steht noch aus.
Gott sei Dank haben wir dieses Buch des Glaubens, die Evangelien. Gott sei Dank haben wir den Gottesdienst, in dem wir unseren Glauben aussprechen, singen und feiern, damit er immer wieder in unser Leben hineinwirken kann.
Am Anfang dieser Predigt stand das Bild vom Wanderstab. Der Glaube ist wie ein Wanderstock auf unserem Lebensweg. Manchmal möchten wir diesen Stock irgendwo stehen lassen, weil er uns zu wenig stützt und uns nutzlos vorkommt.
Manchmal aber sind wir dankbar, in ihm eine Stütze zu haben, die uns weiterhilft. Und manchmal nehmen wir diesen Stock gar nicht wahr. Wir tragen ihn locker in der Hand, weil der Weg leicht und eben ist und voller Segen. Gott sei
Dank steht uns der Wanderstock zur Verfügung: unser Glaube an Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes.
Weil Petrus dann hinter Jesus hergegangen ist und die Nachfolge gewagt hat, hat er nicht nur das furchtbare Leiden Jesu erleben müssen, sondern durfte auch der Zeuge seiner Auferstehung sein. Zeuge der Präsenz Gottes in unserer
Welt. Danken wir Gott, dass auch wir hinter ihm stehen dürfen.