Karfreitag – der karge Tag. Ein Morgenimpuls

Predigt am 03. April 2026

Karfreitag, das ist ein stiller, karger Feiertag. Wir können länger schlafen, die Geschäfte sind zu, die Arbeit ruht. Die Glocken schweigen; die Leute sagten früher: die Glocken sind nach Rom geflogen und kommen Ostern zurück. Die Stimmung ist sehr gedämpft. Manche Jüngere, die mit dem Tag nichts anfangen können, protestieren immer wieder, dass öffentlich keine Disco, kein Tanz und keine Party erlaubt ist – was hätten sie denn mit dem Tod Jesu zu tun?

Wenn ich mich recht an meine Kindheit erinnere, in den 50er Jahren, dann hatte der Karfreitag bei uns Katholiken auch nicht einen so hohen Stellenwert. Ka-tholiken sollen an dem Tag ihre Teppiche auf der Teppichstange im Garten geklopft haben – als Zeichen ihrer Distanz. Karfreitag war eher evangelisch besetzt, als Katholik hielt man sich an Ostern! Und das Osterfest kam ja so sicher wie das Amen in der Kirche schon anderthalb Tage später, in der Osternacht. Der Karfreitag war so für manche nicht mehr als ein göttlich-menschlicher Betriebsunfall, der dann ja schnell behoben wurde. Man hatte kaum Zeit, den Tod Jesu zu verkraften – da kam schon seine Auferstehung.

Die klassische Gottesdienstzeit des Karfreitags ist ansonsten ungewohnt: 15 Uhr. Die Sterbestunde Jesu. Mit vollen Kirchen ist nicht mehr zu rechnen. Ist die Liturgie in dem leer geräumten Altarraum zu düster, zu nüchtern? Erreicht der Kreuzestod Jesu nicht mehr wirklich die Herzen der Gläubigen? Wird uns die Geschichte zu blutig, zu gewaltsam? Der Wortgottesdienst mit der langen Passionsgeschichte nach Johannes, die Großen Fürbitten und die Kreuzverehrung führen uns vor Augen, dass die Geschichte Gottes mit uns Menschen keine strahlende Sieger- und Triumphgeschichte ist. Nein, sie führt durch das Leiden hindurch, sie geht dem Kreuz nicht aus dem Weg. Der Ausruf Jesu am Kreuz, das Psalmzitat „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ zeigt den Preis an, den Jesus zu zahlen bereit ist – seine unermessliche Liebe kostet ihn sein Leben. Er ist bereit, sein Leben hinzugeben – für die Menschen. Für uns.

Im Blick auf Jesu Kreuz werden wir sicher auch an die Leiden von heute denken, die nicht abreißen, sondern immer mehr werden. Und die uns sehr mitnehmen: die Kriege, die Gewalt, das Elend der Menschen. Auschwitz und Gaza und die Ukraine. Totenfelder überall! Für alle Leidenden, für alle Opfer der menschlichen Gewalt hängt und stirbt Jesus am Kreuz. Karfreitag heute!

In Altena verzichten wir an diesem Tag auf die anschließende Kommunionfeier. Wir nehmen ernst: Jesus ist jetzt tot. Abwesend. Im Grab. Nicht da, nicht erreichbar. Wir müssen das aushalten, an diesem kargen Tag. Der Karfreitag kennt noch keinen Trost. Auf der Brücke, die die Kommunion bedeutet, gehen wir erst wieder am Osterfest.

Da erst kann der Trost wachsen, und die Einsicht: Im Kreuz ist das Heil!