Brautmesse Eli und Esse Broxtermann

Predigt am 21.07.2018

Liebe Eli, lieber Esse, liebe Gemeinde, liebe Gäste,

was soll ich - als alter Pastor - Euch von der Ehe sagen? An Erfahrung seid Ihr mir schon durch das eine Jahr Ehe haushoch überlegen! Aber beim Thema Liebe können wir alle mitreden. Jeder liebt - auf seine Weise. Jeder ahnt: Die Liebe ist das Wichtigste in der Welt, der rote Faden des Lebens, mehr als Geld und Besitz oder berufliche Karriere. Der heilige Ambrosius, der Namenspatron von Esse sagt: "Nimm aus dem Leben der Menschen die Liebe, dann hast du der Welt die Sonne entrissen!"

Die Liebe, schreibt der tschechische Denker Thomas Halik, "ist das Salz der Erde". Salz! Das ist wohltuend nüchtern. Gern malen wir die Liebe sozusagen in rosaroter Farbe und in romantischen Bildern - als "süße" Gefühlsregung, das Herz ständig in Wallung, Schmetterlingskribbeln im Bauch! Dann ist die Liebe nicht das Salz der Erde, sondern der Tortenguss, das Sahnehäubchen, der Honig oder das Opium des Lebens! Salz heißt: Liebe zum Ehepartner, auch wenn der nicht gut drauf und gestresst - also ganz normal ist. Liebe zum Kind, zu Emile, auch wenn der quengelt und nicht schlafen will und Euch ein bisschen um die Nachtruhe bringt. Auch das ist ganz normal - genauso, wenn er in etwa dreizehn Jahren das Alter durchlebt, wo "die Eltern schwierig werden". Das alles ist normale Realität. An der wird die Liebe sich nicht brechen. Sie ist wie das Salz: Sie würzt - ohne sie würde das Leben ungenießbar und unverdaulich.

Liebe, schrieb ein Leserbriefschreiber im Spiegel, in der letzten Nummer, ein Mann mit 40-jähriger Eheerfahrung, Liebe heißt nicht, dass man im anderen den Sinn des Lebens sucht. Sondern bescheidener: eine Ergänzung der eigenen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Es sei wichtig, Nähe nicht mit Enge zu verwechseln und zu lernen, die bleibende Fremdheit des anderen auszuhalten. "Dann aber schließt Liebe die zwei Zentimeter zwischen Gott und dem Menschen - Adam - in der Sixtinischen Kapelle", so endet er.

Ja, nur ein paar Zentimeter trennen den Finger des Schöpfers vom Finger des Adam im großartigen Fresko von der Erschaffung des Menschen in der Sixtina. Die paar Zentimeter Abstand bleiben immer, auch in der Ehe. Der andere bleibt immer der andere. Aber dieses Aufeinander zu der Finger und der Herzen kann man Liebe nennen.

In der Schöpfungsgeschichte - wir haben es in der Lesung gehört - ist da der Mensch in seinem Paradies. Aber allein! Keiner sonst passt zu ihm. Aber zu dieser Egozentrik - nur ich! Me first! - sind wir nicht bestimmt. Das passt auch nicht zu uns. Am Anfang der Messe sangen wir "Da wohnt ein Sehnen tief in uns..." - das Sehnen über uns hinaus, zu Gott hin, zum anderen hin. Gott greift das Sehnen auf, den ausgestreckten Finger, das suchende Herz, und schafft "eine Gefährtin, die dem Adam entspricht". Keine "Hilfe", wie das früher übersetzt wurde, schon gar nicht nur eine Haushalts-Hilfe! Keine Unterordnung, wie das früher verstanden wurde, sondern ein Verhältnis "auf Augenhöhe"! (Auch wenn der eine einen Kopf größer ist: "auf Augenhöhe"!) Eine wirkliche Ergänzung! Seit 5 Jahren wissen Esse und Eli, wie das mit der Ergänzung geht, mit der togolesischen Spontaneität und Gelassenheit auf der einen und dem deutsch-polnischen Hang zum Planen auf der anderen Seite. Ergänzung: die Dinge reifen lassen, den anderen nicht ummodeln wollen, oft miteinander reden - und so immer vertrauter miteinander werden. Den anderen unbedingt wertschätzen und akzeptieren. Diese Liebe rechnet nicht vor und nicht ab. Sie gibt.

Die Bibel bringt dafür das schöne Bild von der Rippe, dem Baustoff für die Frau. Warum gerade die Rippe als Bild? Weil sie am Herzen liegt, über dem Herzen - und weil Mann und Frau sich gegenseitig "am Herzen liegen". Und die Wunde von einst noch öfter - wie ein Phantomschmerz - zu spüren ist. Herz und Schmerz reimen sich in Gedichten immer aufeinander.

Noch eine wichtige Deutung des Menschen, gleich auf der ersten Seite der Bibel: Der Mensch ist das Ebenbild Gottes. Mann und Frau zusammen: Bild Gottes! Aber wir sollen uns doch kein Bild machen von Gott, heißt es in den Zehn Geboten, es wäre immer "daneben", immer schief und unzutreffend.

Doch, es gibt ein Bild von Gott, das stimmig ist: die Liebe. In Jesus wird das Bild am schönsten und treffendsten gemalt: Gott ist Liebe! Wir sind dann Ebenbild Gottes, wenn wir lieben ("Wie Gott zu mir, so ich zu Dir") - wenn wir diese in die Schöpfung hinein gelegte Liebe leben und weitergeben. Das macht die Ehe zu etwas Heiligem. In ihr kommt die Heiligkeit und Göttlichkeit der Liebe am besten zum Ausdruck. Und darum feiern wir das jetzt in der Kirche.

Die Liebe tut einem selber gut, macht glücklich, bewahrt vor der Einsamkeit und sie tut dem anderen gut, gibt ihm Wertschätzung und Würde. ("Wie gut, dass du da bist. Wie freue ich mich, dass es dich gibt.")

Die Liebe ist schöpferisch und kreativ und folgt dem Impuls "Wachset und mehret euch": Gott erschafft die Welt, und ihr, Esse und Eli, seid Weiterbauer, Mitschöpfer - in Emile, in eurem Kind - und denen, die vielleicht noch folgen werden.

Die Liebe sagt: Macht euch die Welt zu eigen. (Früher hat man gesagt: Macht sie euch untertan, aber das ist die Sprache der Herrschaft und nicht der Liebe!) Lernt die Welt kennen und prägt sie mit guten Gedanken und Taten, mit eurem Interesse, eurer Wachheit, eben eurer Liebe, so dass man später von euch sagen kann: Durch die drei E's (Esse, Eli, Emile) ist unsere Welt in Iserlohn und anderswo ein bisschen besser geworden. Sie haben nicht die Gleichgültigkeit und Kälte in einer liebesleeren Welt vergrößert. Nein, sie haben das Salz der Liebe in den großen Topf der Welt gegeben, und sie haben durch ihre Liebe ein Licht entzündet. Zumindest wir hier hoffen das und merken das und nehmen gleich gern das Licht von euch an. Das Licht, das von der Osterkerze, von Gott, ausgeht, auf eure Hochzeitskerze übergeht und dann jedem von uns gebracht wird. Das Licht der Liebe, das sich nicht auf die Ehe beschränkt, sondern uns alle miteinander verbindet: Nur durch die Liebe, durch Freundschaft, durch Freundlichkeit, durch Treue und Geduld und Vergebung liegt unsere Welt im Licht, ist die Sonne da.