Die wahren Helden

Predigt am 28.08.2016

Wir fangen heute mal mit Monatsgehältern an.


Wissen Sie, wie viel der amerikanische Präsident Barack Obama, vielleicht der mächtigste Mann der Welt, monatlich überwiesen bekommt? Ca. 30.000 Euro. Und Angela Merkel? 20.000 Euro. Nicht mehr.
Und die berühmten Fußballer? Raten Sie mal. Also: Lionel Messi in Barcelona und Ronaldo in Madrid mehr als 6 Millionen Euro. Pro Monat. Schweinsteiger und Philipp Lahm und Mesut Özil 1,3 Millionen. David Beckham aus England das Doppelte. Können Sie alles so im Internet finden.


Stimmt da was nicht? Ist da was durcheinandergeraten? Zum Vergleich: Eine Krankenschwester oder Altenpflegerin: deren Gehalt liegt monatlich bei 2000 Euro.


Und jetzt, zum Ausgleich, zur Herstellung der Gerechtigkeit der Text der Kölner Band Wise Guys. Eines ihrer Lieder heißt: Die wahren Helden.


Fünf Uhr morgens. Sie schleppt sich zum Bus.
Sie fühlt sich krank, doch sie weiß genau: Sie muss.
Sie ist Krankenschwester auf der Intensivstation.
Und die Patienten warten schon.


Er gehört im Altenheim zum Pflegepersonal.
Sein Tagesdienstplan ist hektisch und brutal.
Doch so gut es geht, nimmt er sich für jeden Zeit
und hält für alle ein Lächeln bereit.


Selten Lob, wenig Kohle, kein Glamour und kein Glanz,
doch das Herz am rechten Fleck, und zwar voll und ganz.
Ihr seid die wahren Helden,
auch wenn euch niemand applaudiert.


Ihr seid die wahren Helden,
auch wenn euch niemand applaudiert.
Ihr seid die wahren Helden,
weil ohne euch nichts funktioniert.


Das Baby schreit. Die große Schwester weint.
Der Blick zum Hof, in den die Sonne nie scheint.
Mama kocht Nudeln, mehr war heute nicht drin,
und sie sagt doch voller Stolz: „Wir kriegen das schon hin!“


Der Vater weg, ganz plötzlich abgehaun.
Sie schafft´s, den Kleinen eine Welt zu bau‘n,
in der sie Liebe und Vertrauen spüren,
und sie durch diese harte Zeit zu führen.
Einen Schritt vorm Abgrund, am Ende ihrer Kraft.
Oft weiß sie selbst nicht, wie sie ´s schafft.


Ihr seid die wahren Helden,
auch wenn euch niemand applaudiert.
Ihr seid die wahren Helden,
weil ohne euch nichts funktioniert.


Wahre Helden gibt es überall, doch sicher nicht
in Hochglanzmagazinen und im hellen Rampenlicht,
auch nicht auf der Leinwand und nicht bei RTL,
doch sie sind viel stärker und verschwinden nicht so schnell.
Denn die wahren Helden seh´n in Wirklichkeit ganz anders aus.
Die wahren Helden wachsen täglich über sich hinaus.


Ob die Leute von Wise Guys vorher im Evangelium gelesen haben? Sie sind jedenfalls nah dran. Die Sänger spüren: Das offizielle „Ranking“ der Gesellschaft kann nicht stimmen. Es kann nicht sein, dass Sportler, Stars und Sternchen der Unterhaltungsbranche auf den besten Plätzen sitzen, z.B. das Hundertfache verdienen, hundert- oder tausendmal mehr anerkannt werden, nur weil sie eine tolle Stimme oder schnelle Beine haben. Die wahren Helden sind woanders, z.B. in diesem Lied. Sie halten die Welt zusammen – oft ohne Anerkennung, ohne Dank.


Jesus erlebte den Andrang auf die besten, auf die vornehmsten Plätze damals bei einem Sabbatessen mit. Alle wollten in der Nähe des Gastgebers sitzen. Jesus bricht eine Lanze nicht für die im Rampenlicht, nicht für die, die sich in Szene setzen, sondern für die „Hinterbänkler“, die im Hintergrund bleiben. Über die reinen Rang- und Platzfragen hinaus stellt er uns vor die Frage: Wer ist wirklich ein „Held“, ein Vorbild? Wer bewährt sich vor Gott? Wer bringt mit seinem Leben, mit seinem Einsatz ein Stück Welt weiter? Wem gebührt wirklich die große Anerkennung und Wertschätzung?


Es sind die, die sie nicht erwarten, die gar nicht damit rechnen. Nicht unbedingt die, die dauernd in der Zeitung stehen, oder die, die das ganz große Geld verdienen. Das Lied der Wise Guys besingt die, die täglich über sich hinaus wachsen und dadurch innerlich groß werden.


Am Schluss des Evangeliums rät Jesus dem Gastgeber: Lade zu deinen Festen nicht deine „Spezis“ ein und nicht die „großen Namen“, sonst bleibst du in deiner geschlossenen Welt. Unterbrich diese Gegenseitigkeit (ich lade dich ein - und du mich) und sorge für Überraschungen. Lade Fremde ein, Arme, Flüchtlinge. Papst Franziskus feierte seinen letzten Geburtstag (den 79.) nicht mit Kardinälen, sondern mit einer Gruppe von Obdachlosen aus dem Umfeld der Peterskirche; die durften sogar ihren Hund mitbringen. Vielleicht sind es gerade die Menschen am Rand, die unseren Horizont und unseren Blickwinkel erweitern. Die uns herausfordern und Weite schaffen, wenn wir auf unsere engen Grenzen stoßen. Die uns - ganz sicher - auch Jesus näherbringen.