Die herrliche Freiheit

Predigt am 26.06.2016

Bald kommen die Ferien, - endlich! Und sie sind wie ein Ruf in die Freiheit. Endlich mal raus den Zwängen des Alltags! Endlich mal raus aus einem Leben, das von der Uhr beherrscht wird! Endlich mal nichts mit Leistung!


Wie frei sind wir eigentlich in unserem Leben? Hängt davon ab, was wir mit „Freiheit“ meinen. Tun und lassen, was ich will? So empfindet man vielleicht, wenn man jung ist, in der Pubertät und danach. Hauptsache: unabhängig. Hauptsache: Von den Eltern und von der Schule nicht mehr gegängelt werden.
Und dann beginnt man sein eigenes Leben, entscheidet sich relativ frei für Beruf und Partner. Aber ist das so toll mit der Freiheit? Mächtige Kräfte wirken auf einen ein, die man oft gar nicht durchschaut. Die Weltmacht man – man sagt, man tut, alle tun das. Die Mode diktiert und der Konsum. Im Hintergrund die Wirtschaft und ihre Händler, die immer neue Bedürfnisse wecken, damit der Rubel rollt und viel gekauft wird. Und wir tanzen oft nach ihrer Pfeife, ob wir es merken oder nicht. Mode z.B., Kleidung, also eigentlich etwas ganz Individuelles: plötzlich haben viele Jungen den Hosenboden in Höhe der Kniekehlen. Plötzlich werfen viele ihre Goldrandbrillen weg und kaufen Hornbrillen, weil irgendwelche Promis und Werbeträger das vormachen. Plötzlich färben sich Frauen die Haare pink oder grün.
Wir werden stark von außen gelenkt - plötzlich ist etwas „in“, und viele, ganz viele machen mit. Auf einmal ist dies angesagt, und jenes ist „out“. Der Zeitgeist sagt z.B.: in die Kirche gehen ist out, ist altmodisch, ist von vorgestern. Wird belächelt. Wer dennoch geht, hat sich wohl dafür entschieden, tut dies bewusst. Heute ist es so, dass Christen eher freiwillig und bewusst kommen, und nicht, weil das Milieu oder der Zeitgeist älterer Epochen das vorschreibt, weil sich das „so gehört“, weil „alle das tun“.


Freiheit? So weit her ist es damit nicht. Die Weltmacht man hat uns oft fest im Griff. Die Orientierung am Geld, am Haben, am eigenen ganz groß geschriebenen Ego! Diese Orientierung kann man mit der Bibel „Sünde“ nennen. Sünde – das heißt: falsche Wertordnung. Das Herz hängt sich mit ganzer Kraft an die falschen Dinge. Sie halten nicht, was sie versprechen. Sie bringen nicht das Glück, sie sind vergänglich und haben ein rasches Verfallsdatum. Es sind die falschen Prioritäten, die wir oft wählen. So wird man nicht frei. „Wer die Freiheit nicht kennt, findet die Enge des Gefängnisses gemütlich,“ hat ein Dichter geschrieben. Recht hat er. Und in dieser Enge, sozusagen im Gefängnis, kann man sich ganz bequem einrichten, wenn man von wirklicher Freiheit nichts weiß und sie daher auch nicht vermisst.


Paulus ist der Apostel und Botschafter der Freiheit. Er spricht von der „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ und lädt uns Christen besonders im Galaterbrief ein, sich befreien zu lassen! Alles hängt für ihn am ersten Gebot: Du sollst keine fremden Götter neben mir haben! Das heißt: Halte dich an Gott. Er soll der einzige wirkliche Herr deines Lebens sein. Nichts und niemand sonst! Gib dem eigenen Ego nicht zu viel Raum, mach dich nicht von ihm abhängig - von deinen Gelüsten, deinen Trieben, deinen Ängsten, deinen Befindlichkeiten. Gott ist der Herr! Nimm diesen Satz als kritischen Einspruch, als Korrektur, als Notbremse, wenn die Mächte und Schein-Herren der Welt nach dir greifen und dich auf die Knie zwingen wollen: der „Tanz um das goldene Kalb“ (wie damals schon bei Mose in der Bibel), der Ehrgeiz und das Ansehen, die Habgier, das Geld, die Gleichgültigkeit und die Einflüsterung: Jeder ist sich selbst der Nächste!


Gott ist der Herr, d.h. auch: lass dich von der Sünde nicht beherrschen und nicht klein kriegen! Sünde ist weit mehr als das, was wir früher so gebeichtet haben: unandächtig gebetet, Unkeusches gedacht, gelogen, gestritten. Sünde: das ist Setzen auf falsche Werte, oder die Herrschaft des Nebensächlichen. Zum Beispiel: Keine Zeit haben, zu wenig Zeit für die Familie, oder für Krankenbesuche, oder das Gebet. Aber jede Menge Zeit, jetzt, für jedes Länderspiel im Fernsehen! Herrschaft des Nebensächlichen!


Freiheit, sagt Paulus, nicht wieder das Joch der Knechtschaft. Nicht das „gemütliche Gefängnis“ wählen, das enge Gehäuse von tausend Abhängigkeiten, die ich gar nicht durchschauen kann oder will. Nicht: Was sollen die Leute denken? Sondern: Was denkt Gott wohl von mir? Ist er der einzige Herr meines Lebens, oder muss er seine Herrschaft mit tausend anderen Herren teilen: den Leuten, und der Weltmacht man? Freiheit heißt für Paulus - und auch für mich: Gott Gott und Herr sein lassen. Den Göttern und Götzen möglichst nicht folgen. Auch nicht dem, was Paulus „Fleisch“ nennt – und was man am besten mit „Egoismus“ übersetzt: Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch! Sondern dient einander in Liebe! Freiheit um des anderen willen, um der Liebe willen. Freiheit nicht, damit ich mich allein - nur für mich - verwirklichen kann, sondern damit meine Welt, meine Um- und Mitwelt zu Gott und zum Guten findet.


Liebe - und mach, was du willst (Augustinus). Mach, was die Liebe dir eingibt. Es wird richtig werden – und du wirst frei.