Ausländer raus?

Pfingstmontag 16. Mai 2016

Seien Sie nicht überrascht: Weihnachtsgeschichte zu Pfingsten! - Kurz vor Weihnachten: Parole an Mauern gesprüht: „Ausländer raus!“, nahmen sich die Ausländer zu Herzen, auch die ausländischen Dinge: Gehen wir also! Schokolade und Pralinen sprangen aus Packungen und wollten zurück nach Ghana und Westafrika, der Kaffee nach Äthiopien und Kenia. Ananas und Bananen räumten ihre Kisten, die winterlichen Erdbeeren zog es zurück nach Südafrika. Alle Weihnachtsleckereien brachen auf, die Gewürze nach Indien. Der Christstollen zögerte. Man sah Tränen in seinen Rosinenaugen, als er zugab: Mischlingen wie mir geht es besonders an den Kragen! In der Morgendämmerung gab es draußen gewaltige Schlangen: japanische Autos krochen nach Osten, voll mit dem meisten, was man bei Saturn kaufen kann. Die Weihnachtsgänse flogen nach Polen, gefolgt von Teppichen in Richtung Iran und Mittelasien. Die tropischen Hölzer lösten sich aus ihren Verschalungen, Richtung Amazonas; Aluminium und Kupferteile ebenfalls Richtung Brasilien. Nach drei Tagen war nichts Ausländisches mehr im Lande. Nur Tannenbäume gab es noch, Äpfel und Mürbeplätzchen ohne Geschmack. Und das Lied „Stille Nacht“ war auch ausgewandert - es kam ja aus Österreich!

Nur eines wollte nicht ins Bild passen: Maria, Josef und das Kind. Sie waren geblieben, obwohl sie ja in den Nahen Osten nach Israel gehörten. „Wir bleiben,“ sagte Maria. „Wenn wir aus diesem Land gehen, wer wird ihnen sonst den Weg zeigen, den Weg zurück zur Vernunft und zur Menschlichkeit?“

Ähnlich eine Karikatur. Ein borniert gezeichneter Einheimischer - Typ Pegida - kommt in ein Geschäft, wo man Krippen bekommen kann. Er sagt: Ich möchte eine Krippe kaufen, aber ohne Ausländer, Juden usw. Ach so, sagt der Verkäufer, also nur mit Ochsen und Eseln?

Liebe Christen, viele unter uns kommen wohl aus dem Ausland. Darf ich mal fragen, wer nicht in Deutschland geboren, oder wessen Eltern nicht in Deutschland geboren sind. Vielleicht mal aufzeigen (Sie bekommen keine Probleme!)

Ja, wir leben in einer globalisierten Welt - miteinander verzahnt und verbunden. Das ist unsere Realität, ob wir wollen oder nicht. Diese hat wunderbare Seiten: reisen, die Welt kennen lernen! Die Möglichkeiten der Kommunikation: mit Freunden oder Enkeln in Australien skypen! Vielleicht eine Arbeitsstelle in London oder New York! Das Kulinarische: indisch oder mexikanisch essen gehen. Sie bringt aber auch wahnsinnig viele Probleme mit sich: wirtschaftliche und soziale Schieflagen und Abhängigkeiten, internationale Überwachung, Zentralismus, und - besonders bedrängend - Armut und die Flüchtlingsfrage: Krieg, Vertreibung und Tod. Gerade in ihnen, den Flüchtlingen, bekommt die Globalisierung ein Gesicht - in vielen menschlichen Gesichtern. Einige davon sind jetzt hier in der Kirche.

Viele in der Bevölkerung Europas, immer mehr, wollen sich abschotten, wollen wegschauen. Aber das geht nicht mehr!

Wie steht das Pfingstfest dazu, zur Abschottung der Menschen? Der Prophet Joel in der heutigen Lesung: Gottes Geist ausgegossen über alle - die Alten werden Träume haben, die Jungen Visionen, auch die Knechte und Mägde werden bedacht. Also nicht Abschottung, sondern eher: „Zieht den Kreis nicht zu klein“ - als Wille Gottes. Im Pfingstereignis wird das noch deutlicher: Der Geist ergreift Juden und Heiden, Einheimische und Ausländer: und sie verstehen! Der Geist entgrenzt, er löst Grenzen vielleicht nicht auf, aber macht sie erträglich. Geist: Zusammenbringen der Verschiedenheiten. Die verschiedenen Sprachen und Kulturen trennen nicht mehr nur, sie bereichern auch. Der gemeinsame Glaube ist wie ein einigendes Band. Er bringt Menschen zusammen: Afrikaner und Inder, Franzosen und Chinesen, Amerikaner oder Polen. Der argentinische Papst, der, wie er selber sagt, von den Rändern der Erde kommt, ist ein gutes Zeichen dafür. Aus allen Völkern wächst Gottes Volk zusammen.

Ausländer - der Begriff spielt im Reich Gottes keine Rolle! Alle, die glauben und glauben wollen, sind Mitbürger dieses Reiches. Hier muss man sich nicht abschotten. Und hier wird niemand abgeschoben.