Heiliger Geist! Heiliger Geist?

Lüdenscheider Nachrichten 15.05.2016

Wie war das noch mal mit Pfingsten? Umfragen ergeben nicht viel: im günstigen Fall irgendwas mit „Heiliger Geist“. Geist: Dürfte es bitte etwas anschaulicher sein? Geist: Die Kinder denken an ein Gespenst. Geisterbahn! Die Erwachsenen denken an den geistvollen Talkshowgast Professor X. Der hat richtig was „auf dem Kasten“, der sprüht nur so mit seinen Geistesblitzen; sein IQ liegt bestimmt über 130.

Aber so kommen wir nicht zum „Heiligen Geist“. Der steckt nicht in unseren Gehirnwindungen, sondern „in Gott“. Aber er kommt heraus, kommt in die Welt, ganz frei. Er weht, wo er will. Manchmal, wo wir es nie vermutet hätten! Am deutlichsten weht er in Jesus Christus, in seinen Worten und Taten. Als Jesus als sichtbare Person die Welt verlässt, verspricht er seinen Jüngern diesen heiligen Geist, den „Beistand“, den „Tröster“. Er ist seine Gabe an uns. Seine Kraft hilft unseren Kräften auf die Beine, die oft so kraftlos sind. Er „inspiriert“ (in dem Wort steckt der Geist drin, auf lateinisch: spiritus). Er „begeistert“ (da steckt er auch drin, der Geist). Er motiviert, führt Menschen zusammen, gibt Mut, langen Atem und gute Ideen. Ich darf bekennen, dass ich manchmal eine Kraft in mir spüre, die nicht die meine ist, die ich nicht mir zuschreiben kann.

Hier noch ein Text zu diesem Geist, der vielleicht gar nicht so mysteriös ist, wie er den Leuten erscheint, sondern auch – still und verborgen - durch unseren Alltag wehen kann:

Am Pfingstsonntag
predigte der Pfarrer
über die guten Gaben
des Heiligen Geistes,

und die Familie
unter der Kanzel dachte:
Wir sind leer ausgegangen
als die Gaben verteilt wurden

Wer sind wir denn schon?
Und dann gingen sie heim.
Und die Mutter besuchte
eine blinde Tante im Pflegeheim
und hörte ihr geduldig zu.

Und der Vater brütete
über der Kassenführung
der Ortscaritas,
die ihn viel Mühe kostete.

Und die große Tochter klimperte
auf der Gitarre und sang dazu
mit ihrer Stimme,
die alle schön fanden.

Die geduldige Mutter,
der Mühen nicht scheuende Vater,
die musikalische Tochter
setzen täglich
ihre Gabe ein,
ohne drum zu wissen,
dass es eine Gabe ist
aus dem unbegrenzten
Wehen des Geistes.